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Der Schauspieler Eberhard Esche (1933 – 2006) war ein großen Bühnen- und Film-Darsteller. Viele seiner Rollen-Interpretationen, so in „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz am Deutschen Theater, bleiben unerreicht. Auch als Sprecher und beliebter Rezitator (u.a. „Der Hase im Rausch“) bleibt er unvergessen. Konserviert sind diese Leistungen auf Platte. In den 1990er Jahren trat er als Autor satirisch-zeitkritischer Bücher hervor.
Esche schuf sich einen privaten Gedenkort für den von ihm hoch verehrten Ernst Busch: auf seinem Grundstück in Kraatz bei Gransee steht eine Stele, auf der sich Plaketten-Porträts seiner Vorbilder der Schauspielkunst befinden, zu denen auch Busch zählt.
Eberhard Esche an den Freundeskreis, Ausschnitte aus einem Brief
Kraatz, den 24. November 2003
Lieber Herr Professor Dr. Elsner,
1933…da war Ernst Busch schon längst Kommunist, also Hitlerfeind.
Für diese guten Eigenschaften hat Ernst Busch viel ertragen müssen. doch er hat es ertragen. Und so wurden seine Bürden unser Gewinn. Der Gewinn derer, die damals jünger waren und darum in die Wohltat gerieten, ihn, vom Beginn der späten vierziger Jahre an zu erleben und zu bewundern. Wir bewunderten nicht nur seine Schauspielkunst und seinen Gesang, wir erlebten, ohne damals viel von seiner Lebensgeschichte zu wissen, daß wir einer Persönlichkeit begegnet waren. Später weiß man, daß das unter Schauspielern eine Rarität ist. Denn Persönlichkeiten, Charaktere, unabhängig vom Beruf, geraten immer und überall in die Bredouille. Da ja dem Charakter u.a. auch die Fähigkeit eigen ist, Bredouillen selbst anzurichten.
Solche Absonderlichkeiten sich zu eigen zu machen verbietet aber dieser Beruf. Eine Profession, zu deren Wesenmerkmalen die Anpassung gehört, spielt den Protest zwar gerne, doch sie lebt ihn nicht. Wenn auch die Phantasie der Gaukler so manchem grenzenlos zu Gebote stand, spielte so mancher, wechselnden Systemen zum Trotz, den Protest so gut, daß er meinte, er lebe ihn. Doch der Irrtum war Ihnen im Innersten immer bewußt. Denn vergeht der Schauspieler sich an den Gesetztheiten des Berufes im wirklichen Leben, kann er zwar weiter seine Rollen üben, aber spielen und singen kann er sie dann nur noch auf der Reise oder, wenn er das noch hat, zu Hause. Ohne Bühne , sprich ohne Publikum spielen und singen, ist natürlich bitter. So ist das Rollenspiel des Opportunismus eine erzwungene Berufsspezialität der Schauspieler der Welt, was wahrhaft bitter ist.
Doch Busch schaffte sich auf seine Weise Lebenserfahrungen. Eben dadurch, daß er mit dieser Berufsspezialität zeit seines Lebens auf Kriegsfuß stand, aus dieser Gegebenheit heraus aber seine Lebensmaxime schuf. Aus dieser Tatsache heraus, dem kommunistischen Trotzalledem, aber seine Lebensmaxime schuf: Talent und Charakter nie trennen zu lassen. Sondern, von Mühe zu Mühe beides anzunähern, so beides zu stärken, um es schließlich, nun schon alt geworden, zu vereinen und so den Busch zu schaffen. Seine Biographie zeigt, unter welchen Bedingungen und mit welcher Art Mühen er das schaffte. Er war wirklich ein Riese geworden. Dennoch hätte er, ausgestattet mit dieser Rigorosität, früher oder später, vor die Hunde gehen müssen, und wir hätten nie von ihm gehört - hätte es nicht eine Deutsche Demokratische Republik gegeben.
Es ist uns nicht unbekannt geblieben, und oben schon angedeutet, daß Persönlichkeiten vom Range eines Busch mit jedem System in Konflikte geraten mußten. Zwangsläufig! Was die heute so gerne gebrauchte Opfer-Täter-Theorie als modisches Kliescheedenken von Schwachköpfen und Journaillen brandmarkt.
Doch hätte es die DDR nicht gegeben, der Einfluß, den Busch auf eine ganze Generation junger Schauspieler der jungen Republik ausübte, hätte dann nie stattgefunden. Und sehe ich heute, nach der künstlichen Vereinung, die beiden Schulen für Schauspieler aus Ostdeutschland und Westdeutschland, dann muß ich feststellen, daß aus meiner Generation Leute hervorgegangen sind, an denen sichtbar und hörbar wurde, daß sie das Glück gehabt hatten, die bessere Schule besuchen zu können. Wenn sie das auch zu Lebzeiten des sozialistischen Staates wenig zu schätzen wußten.
Nun, der Beweis der Lebensfähigkeit eines kommunistischen Systems ist unterbrochen worden, und die besseren Schulen wurden vorerst geschlossen. Der Geldgeber für die guten Schulen hat sich selbst umgebracht. Und so bleibt der alte Ernst Busch als ewig junger Rufer für das Bessere in der Erinnerung. Mit der Erinnerung hat es aber so eine Bewandtnis hat. Nämlich die, daß sich die Erinnerung vor der Wahrheit verlaufen kann, um entweder in die Abwege der Verteufelung oder die Irrwege der Vergoldung zu geraten. Oder den bekannten Dritten Weg sucht, der alle bedienen will und keinem nützt und so allen und der Sache schadet. Also, wenn ich das so ausdrücken darf, sich UnErnst verhält.
Und so verstehe ich das Anliegen des Freundeskreises Ernst Busch, diesem entgegenzuwirken und die Erinnerung im Reinen zu halten.
Von solch einem Kreis als Ehrenmitglied aufgenommen worden zu sein ist mir eine große Freude und Ehre zugleich. Dafür danke ich Ihnen und Ihren Mitstreitern sehr.
Bleiben Sie, bitte, alle noch lange gesund. Die Verhältnisse verbessern sich so, daß Sie, wissen wir, was morgen ist, wieder gebraucht werden könnten. Zumindest gehört zur Reinheit der Erinnerung auch die Unberührbarkeit der Hoffnung.
…
Ihr E.E.
Nachruf
Wir trauern um Eberhard Esche. Im Jahr 2003, anläßlich
seines 70. Geburtstages, war der Schauspieler Eberhard Esche von uns
zum Ehrenmitglied unseres Freundeskreises gewählt worden.
Eberhard Esche, Schauspieler, Kollege und Bewunderer Ernst Buschs fühlte sich unserem Anliegen in besonderer Weise verbunden. „Die Erinnerung im Reinen zu halten“, so nannte er es und meinte damit mitnichten die Verklärung. Die „Erinnerung könne sich vor der Wahrheit verlaufen, … um entweder in die Abwege der Verteufelung oder die Irrwege der Vergoldung zu geraten.“ Er verstand sich und uns als Teil eines Strebens, diesem entgegenzuwirken.
Der Schauspieler Eberhard Esche verstarb am 15. Mai 2006 in Berlin.